Liebe Leser,

der heute gebräuchliche Spruch „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen“ ist schon sehr alt. In Johann Wolfgang von Goethes Aphorismensammlung aus dem Jahre 1815 hieß es noch „Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen“. Es soll von Martin Luther in die Welt gesetzt worden sein. Die Medien haben es zwischen Weihnachten und Neujahr an nichts fehlen lassen, uns diese Weisheit vor Augen zu führen. Nicht nur, dass wir mit Texten und Melodien, die das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel zum Inhalt hatten, dauerberieselt wurden, bis wir sie über hatten – gleichzeitig wurde immer wieder gewarnt, wie heftig die Menschheit während der Feiertage aufeinanderprallen würde. Manche Sender verstiegen sich gar dazu, den Familien vorsorglich ein psychologisches „Updating“ zu empfehlen. Sie nannten Einrichtungen, die dafür unentgeltlich zur Verfügung stünden. Sonderbar. Wie konnte es so weit kommen? Am 24. Dezember 1914 war es grad umgekehrt – statt weiter aufeinander zu schießen, krochen englische, deutsche und französische Soldaten aus ihren Schützengräben und feierten gemeinsam Weihnachten, um sich erst am nächsten Tag wieder gegenseitig umzubringen.

Nun – diesmal blieben Weihnachten und Neujahr weitestgehend friedlich; nur in Leipzig und in Stuttgart haben ein paar – offenbar nicht mehr ganz nüchterne – Deppen randaliert. Dass zwei brennende Mülltonnen nicht von der Feuerwehr, sondern von einem Wasserwerfer der Polizei gelöscht wurden, kam in allen Zeitungen und in allen Sendern immer wieder. Ein wenig hatte man den Eindruck, die Redaktionen seien enttäuscht, dass nicht mehr passiert ist und von ihnen ausgeschlachtet werden konnte. Dank des Herbizids „Glyphosat“, das über den Jahreswechsel, wie es so schön heißt, „in aller Munde“ war, hatten die üblichen Verdächtigen kaum Zeit, öffentliche Kampagnen gegen Fischerei, Fische und Fischerzeugnisse zu fahren. Einen über die Nachrichten in Funk und Fernsehen transportierten „Einkaufsratgeber“ der Firma „Greenpeace“ gab es dieses Jahr nicht; 2016 hatte man in dem Hefterl als bedenkenlos verzehrbar nur den Karpfen bezeichnet. Der Versuch der Organisation „PETA“, in diesem Jahr gezielt gegen die Produzenten oder Händler auch dieses Fisches zu hetzen und sich damit öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen (s. den nachfolgenden Artikel), verlief gottlob im Sande und hatte keinen negativen Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft der betroffenen Teichwirtin.

Gerade eben ist das Busunternehmen in die Schlagzeilen geraten, das die Brüder von Frau Scharf, unserer amtierenden Umwelt- und Verbraucherschutzministerin, seit 2014 selbständig betreiben. Sie sollen nach Meinung des Vereins „Foodwatch“ ein registrierungspflichtiges Lebensmittelunternehmen im Sinne der EU-Verordnung 852/2004 betreiben, hätten sich aber als solcher nicht registrieren lassen. „Wohl um Kontrollen zu vermeiden?“, fragte die Presse sofort hämisch. Hallo? Wer als Busfahrer an seine Reisegäste ab und zu einen Piccolo und ein im Handel zuvor erworbenes Fisch- oder Käsebrötchen abgibt, sei ab sofort ein registrierungspflichtiges Lebensmittelunternehmen im Sinne der EU-Verordnung 852/2004? Geht’s noch? Vielleicht kommt demnächst ja jemand, der die christlichen Kirchen nicht mag, auf die Idee, auch in der Heiligen Messe ein „registrierungspflichtiges Lebensmittelunternehmen“ zu sehen? Wo Brot und Wein nebst Gefäßen vom Landratsamt zu kontrollieren seien? Doch Spaß beiseite – unsere Legislative ebenso wie die Exekutive sollten langsam erkennen, dass man Verordnungspflichten und den darauf fußenden Bürokratismus nicht beliebig vermehren kann, so verlockend das für die Öffentlichen Dienste auch sein mag. Wem dauernd argwöhnisch über die Schulter geschaut, im Kühlschrank herumgeräumt, in allen Schubladen gekramt, unter das Bett, unter den Autositz und sogar in den Lokus geguckt wird, der fängt an, damit aufzuhören, Lust an der Führung seines Familienbetriebes zu finden. Das sollten alle, die behaupten, ihren Dienst im öffentlichen Interesse zu versehen, auf dem Schirm haben und nie aus dem Haus gehen, ohne das wichtigste Werkzeug dabei zu haben: Das Augenmaß!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Wißmath